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Whisky Review #72: SMWS "Kiwi marmalade on a hot cross bun"

Ostern, Ostern, Ostern. Was macht man da nur für eine Besprechung? Vielleicht mal fremdgehen und Eierlikör besprechen? Klingt nach keinem guten Plan. Zum Glück gibt es das Fernsehen! Dort habe ich neulich einen Beitrag über Osterköstlichkeiten gesehen. Mit dabei: Hot Cross Buns. Kurz 1 und 1 zusammenzählen und die heutige Besprechung schreibt sich von selbst!

Die heutige Besprechung ist in mehrfacher Hinsicht mal wieder was Neues . Zum einen setze ich die "Lohnt sich die Scotch Malt Whisky Society Mitgliedschaft"-Serie von YouTube in schriftlicher Form fort. Aber keine Sorge, auch auf YouTube gibt es bald wieder neues Futter (ich muss nur wieder richtig fit werden...)! Zum anderen gibt es mit der Brennerei "41", besser bekannt als Dailuaine eine für mich vollkommen unbekannte Brennerei ins Glas. Genau das gefällt mir aber bisher so gut an der Society, ich probiere dort vollkommen quer durch die Bank Brennereien, angefixt vom Namen und nicht von der schicken Marketingverpackung. Obwohl ich zugeben muss, dass mir die SMWS Aufmachung sehr gut gefällt.

 

Was soll uns also heute erwarten? Laut Labelhinweis eine Mischung aus Bananenbrot, süßer Marmelade, aber auch würzige Akzente von Barolo Rotwein und eben den genannten Hot Cross Buns - einer englischen Osterspezialität, welche süße Marmelade, meistens Pfirsich, mit würzigen Aromen von Zimt, Muskat und manchmal auch Kardamom vermischt. 




41.102 "Kiwi marmalade on a hot cross bun" - Verkostungsnotizen

Whisky im Glas: Kiwi marmalade on a hot cross bun

Über den Whisky: Endlich kann ich mal wieder ausführlich in der Rubrik "Über den Whisky" schreiben. Bei dem heutigen Whisky handelt es sich um den "41.102". Damit ist in der Society Namensgebung die 41. Brennerei (Dailuaine) mit dem 102. Fass gemeint. Es handelt sich um einen am 25.8.2004 und 2017 destillierten Whisky, insgesamt also 13 Jahre alt. Gelagert wurde er die meiste Zeit in einem Refill Sherryfass (Oloroso), allerdings mit einem Finish in First Fill Red Wine Barrique. Eine Kombination, die ich so definitiv noch nicht hatte. Dazu kommt natürlich der Society Standard: Fassstärke (55,6%) und keine Färbung oder Kühlfiltration.

 

Aroma: Die Nase ist richtig schön voll, würzig und ziemlich komplex. Für mich kämpfen hier das Sherryfass und Rotwein miteinander. Zunächst kommen würzig-holzige Aromen zum Vorschein. Trockener Rotwein mit einem ganzen Strauß an roten Früchten. Eine leckere Waldbeeren-Mischung steigt aus dem Glas. Insgesamt eher trocken, ich entdecke nur wenig Süße. Ganz leicht malzig in der Kopfnote, den Boden bilden zusätzliche Gewürze, Lorbeerblätter kommen mir in den Sinn. Spannend, komplex, interessant. Für den Geschmack hoffe ich, dass der Whisky auch zusammen bleibt und sich nicht in verschiedene Richtungen verirrt.

 

Geschmack: Ui. Hier bin ich zunächst wirklich überrascht. Die Textur würde ich als "seidig" beschreiben. Der Whisky nimmt den Mund sofort voll ein, ohne dabei aufdringlich zu sein. Irgendwie elegant. Honigsüße, welche ich in der Nase nicht finden konnte. Blumige Noten, floral, angenehm, klassische Speyside. Durch den Alkohol kommt aber auch Kraft mit. Erst spät drehen die Fässer auf. Für mich dominiert das Finish hier deutlich: Immer kräftiger baut sich der Dailuaine auf, mit Kräutern und Trockenheit. Eichenholz, dunkelste Früchte (Rosinen, getrocknete Beeren, Früchtemüsli) erscheinen. Das Barrique kommt wirklich zum Vorschein. Sherry? Kann ich als einzelne Note nicht ausmachen. Ich füge Wasser hinzu.

Eine spannende Entwicklung zeigt sich hier: Sein Volumen verliert der Whisky nicht, er wird aber etwas geschmeidiger in der zweiten Hälfte. Der Honig, welcher auch auf dem Etikett steht, bleibt ein Weilchen länger, der Rotwein-Einfluss ist weniger brachial. 

 

Abgang: Sehr kräftig und würzig. Trockenes Holz und leicht prickelnde Schärfe. Gut, ich habe eine Weile keinen Whisky mehr getrunken, vielleicht liegt es daran. Mit Wasser? Es fällt mir etwas leichter mit dem Abgang umzugehen, die Kraft ist nicht mehr so überfordernd. Definitiv bleiben Gewürze: Ingwer bildet eine gewisse Schärfe, weißer Pfeffer könnte auch dabei sein. Dann Kräuter, etwas Nelke. 

 

Abschließende Gedanken: Was soll ich sagen? Typisch SMWS! Ein spannender Whisky, der deutlich mehr bietet als einen witzigen Namen. Sowas findet man anderswo nur selten. Die Kombination aus Sherry und Rotwein hätte ich blind allerdings nicht erkannt, dazu war der Rotwein zu dominant. Dennoch: Dieser Dailuaine ist ein außergewöhnlicher Tropfen, der mit 63€ mehr als fair bepreist ist. Gut, man muss dazu die Kosten der Mitgliedschaft rechnen. Und den Versand. Und ... Wisst ihr was? Ich schenke mir noch ein Glas ein!

 

Kategorie: Scotch Single Malt

Destille: Dailuaine

Region: Speyside

Preis: 51-100€ (59,50 Pfund / ~63€)

55,6%

Kältefiltration: Nein

mit Farbstoff: Nein

Lagerung: Second Fill Ex-Oloroso / Finish in: First Fill Ex Red Wine Barrique

  

Mehr Informationen:

Whiskybase

The Scotch Malt Whisky Society

Dailuaine auf A Dr(e)am of Sea 

 

Abschließende Bewertung: 6/7

Aromenübersicht Dailuaine 2004 / 2017 SMWS Kiwi marmalade on a hot cross bun

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